Marktsituation im Handel 2022

Zu viel Ware, sinkende Umsätze – Schilderungen zur aktuellen Marktsituation und damit einhergehende Herausforderungen

Das Jahr 2022 ist für uns und für viele unserer Händler:innen ziemlich herausfordernd – die Warenlager sind voll und einige Händler:innern sowie Marken leiden unter starken Umsatzeinbrüchen. Mit diesem Beitrag möchten wir Hintergründe sichtbar machen und einen Einblick geben, wie die aktuelle Marktsituation unsere Branche fordert.

Avocadostore ist ein Marktplatz, der das vielfältige Angebot von unterschiedlichen Händler:innen auf einer Plattform bündelt. Einige Produkte werden auch direkt durch uns verkauft und versendet, wir agieren also auch selbst auf dem Marktplatz als Händler. Die folgenden Ausführungen beziehen sich in erster Linie auf unsere Situation, sprich auf die Ware, die wir selbst verkaufen. Sie lassen sich aber auf den gesamten Markt bzw. auf viele unserer Händler:innen übertragen.

Gründe für den Warenüberschuss

  • In den vergangenen zwei Jahren beeinflussten insbesondere Corona-Maßnahmen die Nachfrage im Online-Geschäft positiv. Auf Basis dieser guten Entwicklung wurden Waren für das Jahr 2022 eingekauft. (Der Einkaufsprozess findet ca. sechs Monate vor Wareneingang statt)
  • Heute stellen wir jedoch fest, dass die Nachfrage wesentlich geringer als prognostiziert ist.
  • Auch die als Folge der Pandemie entstandene Lieferketten-Problematik trägt dazu bei. Aufgrund von Lieferverzögerungen befand sich zum falschen Zeitpunkt zu viel (saisonale Ware) in unseren Lagern. Ein Beispiel: Die Übergangsjacken wurden erst geliefert, als der Frühsommer schon in den Startlöchern stand. Zu diesem Zeitpunkt bestand aber keine Nachfrage mehr.
  • Zusätzlich trüben diese Faktoren die Nachfrage im Online-Geschäft: die Lockerungen der Corona-Beschränkungen, steigende Energiekosten und der durch die Inflation einhergehende Anstieg unserer Lebenshaltungskosten.

Daraus resultierende Maßnahme

Dass am Ende einer Saison etwas Ware übrig bleibt, ist nicht ungewöhnlich. Bei der Auswahl unseres Sortiments müssen wir die Wünsche unserer Kund:innen antizipieren – das klappt meistens gut, doch unsere Annahmen treffen nicht immer vollständig zu. Auch externe Faktoren, wie das Wetter lassen sich schlichtweg nicht einkalkulieren (ein verregneter Frühsommer sorgt z. B. für eine geringere Nachfrage bei Sommerkleidern). Zudem finden vereinzelnde Restgrößen keine Abnehmer:innen.

In diesem Jahr haben wir aufgrund der oben beschriebenen Gründe jedoch ungewöhnlich viel Ware übrig, welche nun als gebundenes Kapital im Lager liegt. Das ist problematisch für uns, zum einen verkauft sich saisonale Ware in der Folgesaison erfahrungsgemäß schwieriger und langsamer, zum anderen benötigen wir das Geld sowie den Platz im Lager für Neuware.

Schon recht früh haben wir daher in diesem Jahr mit unserem Summer Sale begonnen und spielen ein paar Sale-Aktionen mehr als üblich. Wir erhoffen uns dabei, dass die Reduzierungen zum Abverkauf von Restware führt. Zudem bietet der Sale unseren Kund:innen die Chance, das Lieblingsteil, auf welches schon länger ein Auge geworfen wurde, nun reduziert ergattern zu können. Darüberhinaus ermöglichen wir mehr Menschen den Zugang zu ökologisch und fair produzierter Kleidung, die sich diese sonst nicht oder nur selten leisten können. Ware, die schlussendlich nicht verkauft wird, spenden wir an gemeinnützige Organisationen, wie Hanseatic Help e.V..

Vereinbarkeit von Sale und nachhaltigem Konsum

Fast-Fashion-Kollektionen, die im Wochen- oder Monatsrhythmus auf den Markt geworfen werden, um sie teils direkt als Sale-Artikel anzubieten, treten jegliche Wertschätzung gegenüber der aufgewendeten Arbeit und Ressourcen mit Füßen. Auch Marketingaktionen, die darauf ausgelegt sind, kurzfristigen Konsum zu triggern (Stichwort Impulskäufe) sind ebenso wenig mit unserer Vorstellung von nachhaltigem Handel vereinbar.

Finden Sale-Aktionen aber zu vernünftigen Rahmenbedingungen und in einem begründeten Maße – also im Sinne von nachhaltigem Unternehmenssinn und ethischem Konsum – statt, haben Sale-Aktionen (ebenso im Fair Fashion Kontext) ihre Berechtigung. Denn auch nachhaltige Unternehmen wie wir oder unsere Händler:innen und Marken müssen wirtschaftliche Gesichtspunkte im Blick behalten. Nur so lässt sich die (Mode-)Welt langfristig und nachhaltig zum Besseren verändern.

Faire Mode zum reduzierten Preis kann ein guter Start in die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit sein. Den Gedanken, mit unserem Sale noch mehr Menschen mit Nachhaltigkeitsbewusstsein zu erreichen und diese als Boftschafter:innen für einen Green Lifestyle zu begeistern, finden wir gut und richtig.

Eine Bitte

Falls auch du dich von Eco Fashion und dem schönen Gefühl, besser eingekauft zu haben, überzeugen willst, hätten wir da noch eine Bitte: Bevor du etwas bestellst, solltest du dich immer fragen, ob du es wirklich benötigst. Denn mit jeder bewussten Entscheidung machst du einen Unterschied und tust der Umwelt sowie dir etwas Gutes.