Nachhaltige Kerzen

„Und es werde Licht“: gemütlich, aber kompliziert

Draußen ist es dunkel, und drinnen machen wir es uns gemütlich mit Kerzenlicht. Dann muss man im besten Fall das (künstliche) Licht nicht anmachen – und spart Strom. Also, Kerzenschein ist nachhaltig? Ganz so einfach ist es leider nicht. Ein Großteil der Kerzen, die wir kaufen, sind aus Paraffin oder Stearin. Im Ranking der schlechtesten Bestandteile steht Paraffin unangefochten auf Platz eins. Dieses Material ist ein Nebenprodukt aus der Erdölgewinnung und somit ein fossiler Brennstoff, den wir in den eigenen vier Wänden entzünden.
Stearin wird oft als die Bio-Alternative zu Paraffin angepriesen. Das stimmt aber nur bedingt. Es wird aus Palmöl gewonnen und somit aus einem nachwachsenden Rohstoff. So weit, so gut. Allerdings werden immer größere Flächen von tropischem Regenwald gerodet, um dort Ölpalm-Monokulturen anzusiedeln, und die Transportwege nach Europa sind weit und haben in der Regel eine schlechte Ökobilanz. Aber es gibt auch Stearin aus nachhaltigem ökologischem Anbau, darauf solltest du achten und kritisch nachfragen.

Was gut ist, wiegt schwer

Alternativen zu Paraffin und Stearin sind Kerzen aus Biomasse und Fetten und Ölen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Soja, Sonnenblumen oder Raps. Biomasse kann so einiges sein: Holz, Gartenabfälle, Nebenprodukte aus der Nahrungsproduktion etc. Aber keine Angst, diese Kerzen riechen ganz neutral. Sie brennen aber manchmal etwas unruhiger als Konventionelle.
Einen angenehmen Duft verbreiten Bienenwachskerzen, die aus den Erntekammern des Honigs gemacht werden. Aber Achtung: Auch hier gibt es Billigimporte aus China und Südamerika, die lange Transportwege haben – und somit eine schlechte Ökobilanz. Echte Bienenwachskerzen sind teuer, dafür brennen sie rußfrei und länger als herkömmliche Paraffin- oder Stearinkerzen.
Als Faustregel für nachhaltige Kerzen gilt: Sie wiegen schwerer in der Hand und riechen nicht künstlich.
Es lohnt sich, nicht nur das Material der Kerzen zu prüfen, sondern auch, in welcher Verpackung sie daherkommen. Oft werden vor allem Teelichter in kleinen Aluminumbehältnissen verkauft, die sehr umweltschädlich sind.
Kaufe die Kerzen pur und brenne sie in einem Glas- oder Tongefäß ab – das lässt sich dann immer wieder verwenden und sieht in der Regel auch hochwertiger aus.

Aus Alt mach Neu

Wieder- bzw. Weiterverwerten ist auch bei Kerzenresten ein Trumpf! Alte Kerzen, die sich nicht weiter abbrennen lassen, kann man erneut schmelzen und dann entweder neue Lichtquellen gießen, z.B. in Dosen oder Gläsern, oder aber Kerzen ziehen. Beides ist ganz einfach und macht Spaß. Es gibt im Internet unzählige Anleitungen und kleine DIY-Videos.
Ihr könnt auch den Imker oder die Imkerin in eurer Nachbarschaft fragen, ob aus der Honigproduktion Bienenwachsreste übrig sind. Gerade in den letzten Jahren gibt es einen regelrechten Imker-Boom und die Bienenstöcke verstecken sind manchmal direkt in der Nachbarschaft, z.B. im Schrebergarten oder am Rande einer Brachfläche oder eines Garten. Solches Bienenwachs ist die beste Alternative für die eigene Kerzenproduktion: regional, nachhaltig und wohlriechend.