Wie entstehen Sales und Rabatte im Nachhaltigkeitsbereich?

Als nachhaltige Brand kann man doch nicht Konsumfeste wie Black Friday unterstützen, das ist doch nicht nachhaltig! Naja, so einfach ist es leider nicht. Zwar stehen Rabatte für schnellen Konsum und Impulskäufe, also das Gegenteil von dem, wofür nachhaltige Marken eigentlich stehen. Dennoch findet man auch im grünen Handel immer mehr Rabattaktion. Es ist ein Balanceakt zwischen ethischen Ansprüchen, wirtschaftlichem Druck und Kundenerwartungen, der vielen Labels zu schaffen macht. Wir schauen genauer hin – und fragen nach.

Rabatte am Black Friday: echt oder fake?

Es gibt kaum einen Onlinehandel, keinen Elektronik- oder Bekleidungsshop, der am Black Friday nicht mit fetten Rabatten lockt. Da kosten Laptop, Kühlschrank, Parfüm und Jeans plötzlich 60 Prozent weniger. Da wäre man ja doof, wenn man nicht zuschlägt! Nicht ganz richtig. Denn oft werden die Preise in den Wochen zuvor einfach erhöht, damit sie dann zum Black Friday künstlich reduziert werden können. Das geschieht oft schon etwa sechs Wochen im Voraus, denn eine konstante Preisangabe von 30 Tagen bis zur Rabattaktion ist verpflichtend.

Das Vergleichsportal idealo hat die Preise zum Black Friday und das tatsächliche Sparpotenzial im Jahr 2023 einmal unter die Lupe genommen. 66 Prozent der 10.000 analysierten Produkte waren reduziert, im Vergleich zum Oktober jedoch gerade einmal um sechs Prozent. Nur zehn Prozent der Produkte waren um 20 Prozent oder mehr reduziert. Und damit nicht genug: Laut idealo waren außerdem 56 Prozent der Artikel an einem anderen Tag im November günstiger als am Black Friday. Hier kannst du den ganzen Bericht lesen.

Dass wir so anfällig für Rabattaktionen sind, ist übrigens ein psychologisches Phänomen. Wir haben das Gefühl, uns entgeht etwas, wenn wir nicht zuschlagen. Und das Gefühl, als hätten wir mit dem Kauf Geld gespart – was natürlich selbst bei einem Rabatt von 90 Prozent streng genommen nicht stimmen würde, denn Geld geben wir ja trotzdem aus.

Warum machen nachhaltige Brands da mit?

Die Black Week gehört mittlerweile zu den umsatzstärksten des ganzen Jahres. Wenn grüne Brands hier nicht mitziehen, verzichten sie auf Gewinn – das können sich viele nicht leisten. Auch nachhaltige Textilhändler sind Teil des Wirtschaftssystems. Die Kollektionen werden mindestens sechs Monate im Voraus bestellt. Man weiß nie, wie Faktoren wie Wetter, Krieg und Inflation das Kaufverhalten beeinflussen werden. Der verregnete Sommer 2025 ist das beste Beispiel: Viele Händler blieben auf Sandalen und Sommerkleidern sitzen. Gleichzeitig müssen die Lagerkosten gedeckt und neue Waren vorfinanziert werden. Rabattaktionen sind in dem Fall eine Chance, eine notwendige, wirtschaftliche Maßnahme und weniger ein freiwilliges Marketinginstrument.

So formuliert es das faire Schmucklabel Spirit of Island: „Zum Black Friday reduzieren wir ausgewählte Schmuckstücke aus vergangenen Kollektionen – so schaffen wir Platz für Neues und geben auch den letzten Einzelstücken eine Chance, getragen zu werden.“

Als weiteres Argument sehen manche die Chance auf neue Kund*innen. Denn bei vergünstigten Preisen testen Menschen neue Produkte und probieren eher Anbieter*innen aus, bei denen sie vorher noch nicht bestellt haben.

So auch das Berliner Upcycling-Label MOOT: „Wir sehen Black Friday als sehr relevanten Anlass für Konsument:innen, zu einem vergünstigten Preis zu shoppen. Tatsächlich ist dies auch für nachhaltige Brands mit besonderen Produkten (z.B. Upcycling-Produkten) eine Chance, Neukund:innen zu gewinnen, die die Produkte vergünstigt ausprobieren und zu Stammkund:innen werden.“

Was macht den Umgang mit Rabatten für nachhaltige Labels schwierig?

Das liegt zum einen an dem Ziel der Preistransparenz – nachhaltige Brands wollen ihre Preise nicht anheben, um sie dann künstlich zu senken. Die Rabatte sind also realistischer kalkuliert. Außerdem sind die Margen in den meisten Fällen so gering, dass sich ein Rabatt schlicht nicht rechnen würde – hinzu kommen die Marketingmaßnahmen, die in dieser Zeit natürlich auch teurer sind. Es kostet mehr Geld, neben all den großen Playern sichtbar zu bleiben.

„Wir machen beim Black Friday nicht mit. Da wir die meisten Produkte mit entsprechendem Aufwand selbst herstellen sind zu viele Rabattaktionen nicht gut für uns. Letztendlich müssten wir unsere Preise erhöhen“ , formuliert es das faire Label Cmig.

Letzten Endes muss jedes Label selbst entscheiden, ob es am Black Friday teilnehmen will – oder sogar muss. Eine schwierige Entscheidung, die viele Händler:innen zunehmen umtreibt.

So auch HanfHaus: „Einerseits wissen wir, dass viele Menschen durch solche Aktionen die Möglichkeit bekommen, Produkte zu einem günstigeren Preis zu entdecken. Andererseits möchten wir keinen zusätzlichen Konsumdruck erzeugen oder den Wert fair produzierter Waren schmälern.“

Ein Lösungsansatz könnten längere Aktionen sein, wie zum Beispiel der Mid Season Sale bei Avocadostore. Das nimmt Käufer:innen den Druck, sich schnell und impulsiv entscheiden zu müssen, bietet ihnen gleichzeitig die Chance, tolle, nachhaltige Produkte auszuprobieren, die sie sich sonst vielleicht nicht leisten könnten. Für Händler:innen bieten gezielte Rabatte über einen längeren Zeitraum und auf einzelne Produkte die Chance, Altbestände zu minimieren.

Diesen Weg wählt auch das nachhaltige Modelabel Organication: „Nachhaltigkeit bedeutet für uns nicht nur die Art der Produktion und die verwendeten Materialien – sie prägt auch, wie wir arbeiten und sogar, wie wir unsere Preisaktionen gestalten. Wir fördern bewusstes Einkaufen und setzen auf faire Preise sowie langfristige Aktionen, statt auf kurzfristige Black-Friday-Rabatte.“

Es ist ein Balanceakt zwischen ethischen Ansprüchen, wirtschaftlichem Druck und den Erwartungen der Kund*innen, der vielen Labels zu schaffen macht. Mehr Stimmen unserer Händler:innen liest du hier.