Wie entstehen Produktpreise im Nachhaltigkeitsbereich?

Ja, ein nachhaltiges T-Shirt ist meist teurer als ein Fast Fashion T-Shirt. Gleichzeitig bedeutet ein höherer Preis für zum Beispiel ein Marken-T-Shirt nicht automatisch bessere Qualität oder faire Produktion. Deshalb ist Transparenz für nachhaltige Unternehmen so wichtig. Hier erfährst du, weshalb die Margen, also der Betrag, der Unternehmen nach allen Ausgaben übrig bleibt, im Nachhaltigkeitsbereich geringer sind und was faire Produktion eigentlich beinhaltet – kennst du zum Beispiel den Unterschied zwischen Minimum Wage und Living Wage?

Minimum Wage versus Living Wage

Im Zusammenhang mit der Textilindustrie fällt häufig der Begriff „faire“ (beziehungsweise eben „unfaire“) Entlohnung. Aber was bedeutet das eigentlich? Hier muss man zunächst zwischen Minimum Wage und Living Wage, als Mindestlohn und Lebenslohn, unterscheiden. Der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn reicht in einigen Ländern nämlich nicht oder kaum zum Leben – das gilt teilweise selbst in der EU, zum Beispiel in Bulgarien. In Kambodscha hingegen entspricht der Mindestlohn fast dem Lebenslohn. „Produziert in Europa“ bedeutet also nicht automatisch faire Bezahlung.


Fazit: Ein Produkt ist erst dann wirklich nachhaltig, wenn die Menschen, die an der Herstellung beteiligt sind, von ihrer Arbeit leben können.

Faire Preisgestaltung und absolute Transparenz

Viele nachhaltige Brands setzen auf Partnerschaften mit unabhängigen Produzent:innen. Statt die Produktionskosten zu drücken, wie es große Konzerne tun, halten nachhaltige Unternehmen eine Preisgarantie ein und bieten Planungssicherheit. Organisationen wie die Fair Wear Foundation prüfen, ob Unternehmen in ihren Lieferketten existenzsichernde Löhne zahlen, den Arbeitsschutz einhalten und Diskriminierung vermeiden. Unternehmen wie MELA oder Bridge&Tunnel zeigen, wie Preistransparenz funktionieren kann: Sie legen offen, wie viel vom Verkaufspreis jeweils in Material, Arbeit, Transport und Gewinnmarge fließt.

Schaut man sich die Aufschlüsselung einmal an, wird schnell klar, wie die höheren Preise für nachhaltige Mode zustande kommen – und wer die wirklichen Kosten für Billigmode trägt. So verdienen die Näher:innen eines konventionellen T-Shirts weniger als ein Prozent des Verkaufspreises. Den Löwenanteil mit knapp 60 Prozent streicht der Einzelhandel ein, zwölf Prozent die Marke.


Fazit: Faire Marken versuchen, die ungleiche Verteilung des Ertrags auszugleichen – zugunsten der Menschen, die die Kleidung produzieren.

Warum nachhaltige Brands es schwerer haben

Nachhaltige Brands, vor allem kleinere, haben nicht nur aufgrund von fairen Bezahlungen entlang der Produktionskette geringere Margen. Materialien wie Bio-Baumwolle und zum Beispiel Färbetechniken ohne Umweltgifte sowie entsprechende Zertifizierungen treiben die Kosten in die Höhe.

Da sie außerdem deutlich weniger produzieren als Fast-Fashion-Ketten, haben sie höhere Stückkosten – müssen also mit einer höheren Marge rechnen, um Betriebskosten zu decken. Auch in puncto Sichtbarkeit und Positionierung ist es nicht einfach, mit den großen Unternehmen zu konkurrieren. So stellt sich zum Beispiel die Frage: Sollten nachhaltige Unternehmen am Konsumfeiertag Black Friday teilnehmen – beziehungsweise was passiert, wenn sie es nicht tun? Hier kannst du mehr darüber lesen.

Quellen: Nachhaltig leben jetzt – Mimi Sewalski, Fair Wear